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Inspiriert durch die Stutenprüfung – Frauenpower

Gestern habe ich die Stuten Prüfung in Wickrath besucht. Im Grunde ein „Just for fun“ Besuch, da ich doch einmal bei einer Stutenprüfung dabei sein wollte fotografiere ich doch um ehrlich zu sein vor allem Hengst Körungen.
Was mich dazu inspiriert hat diesen kleinen oder großen Blog Eintrag zu schreiben. Es hat mir wieder in Erinnerung gerufen, wie wichtig doch die Stute in der Zucht ist.

Alle Welt schaut immer nur nach dem Hengst. Sicherlich kann er auch mehr Nachkommen produzieren. Doch hat er mehr Einfluss auf das individuelle Fohlen? Jedes einzelne? Kann er das wieder „gut“ machen was der Stute fehlt die Züchterisch gesehen ihre vielen kleinen Macken hat? Sicherlich wir alle haben die besten Pferde und wir alle haben Recht wenn wir sagen „Unser Pferd ist das Beste“. Doch jeder Stutenbesitzer der den großen verlangen hat ein Fohlen aus der eigenen Stute zu haben sollte sich kritisch hinterfragen ob die Stute auch geeignet ist zur Zuchtstute.
Wie oft habe ich schon den Spruch gehört: „Wir können sie nicht reiten, also züchten wir mit ihr!“ Jedes mal dreht mir sich da der Magen um. Auf der Equitana habe ich mehrere Bücher gesehen „Ein Fohlen aus meiner Stute“.


Züchten heißt für mich egal ob wir nun in der Pferdezucht, Hunde oder Katzenzucht sind verbessern und nicht vermehren. Es sollte nur mit gesunden Tieren gezüchtet werden. Hat meine Stute mit chronischen Atemwegs Erkrankungen zu kämpfen, Ekzeme oder andere Krankheiten sollte ich nicht mit dieser Stute züchten.
Es wird 50/50 des Erbguts von Vater und der Mutter vererbt Genetisch denken viele und doch sind es 49% des Erbguts vom Vater und 49% der Mutter über die Chromosomen die restlichen 2% kommen von den mütterlichen Mitochondrien. Fakt somit Genetisch gesehen liefert der Hengst 49% und die Mutter 51% ihrer Gene.
Ein weiterer Aspekt kommt dazu das es die Stute ist mit dem das Fohlen aufwächst. Habe ich somit eine Stute die nicht Nervenstark ist bei jeder Kleinigkeit weg rennt bringt sie ihrem Fohlen genau dieses Verhaltenmuster bei. Kann der Hengst mit dem guten Nervenkostüm das wieder wet machen? Sicherlich mag dort auch weitere Aspekte hinzu kommen das Fohlen lernt von der Herde nicht nur von der Mutter. Doch halt haben wir Mutter und Fohlen auch in einer Herde stehen? Oder meinen wir es sei zu gefährlich für das Fohlen mit anderen Stuten und trennen Mutter und Fohlen von der Herde?
Selbst die Zeit in der Trächtigkeit soll Einfluss auf das Fohlen haben, die Stresshormone die die Mutter entwickelt (oder nicht) beeinflussen das Fohlen so wie es auch bei dem Menschen Einfluss in der Schwangerschaft haben kann. Schüttet die Stute oft Angst und Stresshormone aus bekommt das Fohlen viel von diesem mit. Es ist auch die Stute die die Größe des Fohlens „entscheidet“ dies hat man 1938 heraus gefunden als man tatsächlich Shire Horses und Shettys kreuzten. (Aus Forschungszwecken anders ist diese Kreuzung wohl nicht zu erklären)

Die Fohlen aus der Verpaarung Shire Hengst x Shetty Stute blieben kleiner als die aus der Verpaarung Kaltblutstute x Shetty Hengst.
Ein erfahrener Züchter sagte somit einmal, dass er der Stute 60% des Vererbens zuschreibt und dem Hengst nur 40%

Wer nun immer noch den Wunsch hat ein Fohlen aus der eigenen Stute zu ziehen der hat erst einmal einige Hürden sich zu unterziehen. Fragen zu beantworten. Bin ich Mitglied im Zuchtverband? Wie läuft das den nun ab? Muss ich meine Stute auf einer Zuchtschau präsentieren wann und wo ist sie? Das kann je nach Rasse mal schwierig werden. Wo sind die Zuchtschauen der jeweiligen Mutterstammbüchern? Wie weit muss man fahren? Dazu kommt natürlich das die Stute auch vorbereitet sein muss. An der Hand vorführen muss schon mal geübt worden sein. Wie lese ich hinterher den Bewertungsbogen?
Muss ich sie dann auch einer Leistungsprüfungen unterziehen lassen? Diese machen Stuten im Alter von 3 und 4 Jahren in der Regal. Hier kann man sich aussuchen ob eine Stationsprüfung oder eine Feldprüfung absolviert. Wo da der Unterschied liegt? Die Stationsprüfung wird auf mehrere Tage hinweg stattfinden in dem man die Stute in diesem Zeitraum bewerten kann. Was vom Vorteil sein kann, den so hat man nicht nur eine kleine Momentaufnahme wie bei der Feldprüfung in dem die Stute an einem Tag geprüft wird. Beim Freispringen werden Springmanier und Vermögen getestet und hinterher wird auch eine kleine Prüfung unterm Sattel absolviert an dem am Ende auch ein erfahrener Fremdreiter sich auf die Stute setzt und sie bewertet.

Zugegeben dies läuft ganz Unterschiedlich ab, je nach Rasse und vor allem Verband. Die Stuten werden somit wie die Hengste auf ihre Bewegungen geprüft und bewertet. Man erhält diese Bewertungen im einzelnen für ihre Springmanier, das Vermögen für den Schritt, Trab und Galopp unter dem Reiter sowie Rittigkeit die vom Richter und Fremdreiter bewertet wird. Im rein theoretischen Sinne kann man sich nun diese Bewertungen anschauen, sehen wo die Stuten ihre Schwächen hat und sich nun überlegen welcher Hengst gut für meine Stute ist oder ob ich überhaupt mit dieser Stute züchten sollte? Ein Totitllas im Stall zu haben das wäre schon etwas doch ist dieser Millionen schwere Hengst wirklich das passende Match? Eher doch ein junger unbekannter Hengst? All das kann für einen Laien sehr sehr schwer sein und deswegen wenn man unbedingt diesen Wunsch hat und die Stute wirklich Potential mit bringt, dann werden viele Hengstbesitzer bestimmt gerne einem helfen den passenden Hengsten zu finden. Vielleicht sagt auch mal ein Richter, er wird keine Namen nennen, aber was der Hengst mit bringen muss um die Stute „zu verbessern“

naaa was habe ich für Punkte?

WAS ich ganz persönlich heute mir auch noch Gedanken machen würde bevor ich diesen Wunsch äußere wären drei weitere Sachen: Gibt es ein zweites Fohlen in dieser Zeit in meinem Stall? Oder muss mein Fohlen alleine bei Mama und Tanten (Onkeln) die erste Zeit verbringen? Das zweite wäre was für mich sehr sehr wichtig ist aus eigener Erfahrung von meinem Friesenhengst: Ich kann mein Jungtiere nicht unter alten Pferden groß werden lassen es muss in eine Aufzucht. Egal ob Stute oder Hengst. Meinem ehemaligen „Baby“ den ich mit 6 Monaten kaufte hat die Aufzuchtzeit sehr geprägt und machte aus ihm den „Hund“ der er war. Konnte er in seinem Kindergarten spielen und toben in diesen Spielerisch seinen Platz in der Herde behaupten, lernen von den anderen. Am Ende war er mit fast 4 noch dort und hat den kleinen, frechen Vollblüter Manieren beigebracht.

Gedanke drei wäre eins wieso ich sage: man kann nicht einfach abwinken und sagen „Ja ich möchte das Pferd ja nur für mich als Wald und Wiesenpferd da muss es kein Papier haben“ kann man sagen wie die Welt nächstes Jahr aussieht? Oder in 3 Jahren.. in 10…? ich habe es selbst auch erlebt nach einer Kündigung musste ich mich von meinem Seelenpferd trennen. Man hat die Verantwortung für dieses Wesen das man in die Welt setzt das heißt auch wenn ich mich von diesem Trennen muss, es die besten Voraussetzungen zu geben ein neues zu Hause zu finden. Es muss Gesund sein, Reitbar sein und Vertrauen zum Menschen haben…

Ja die Stutenprüfung Gestern hat mich zu diesen Gedanken gebracht. Zu diesem Blogeintrag. Man sieht und hört ja auch schon viel wenn man als Fotograf in die Ställe kommt.
Bald beginnt die Fohlenzeit nein was sage ich die ersten Fohlen sind ja auch schon da. Sicherlich ist es immer wieder schön mit anzusehen wie sie über die Koppeln laufen und springen die für sie ach so neue bunte Welt entdecken aber züchten heißt auch Verantwortung zu haben für das Wesen das ich unbedingt in diese Welt setzen wollte.

Copa Baroque

Wer gedacht hat das Friesen nur an die Kutsche gehören, Spanier in die Arena zum Stierkampf oder Lipizzaner nur für die Hohe Schule geeignet sind, der hat wohl noch kein Turnier der Copa baroque gesehen.

Seit 2008 richtet die Copa baroque Turniere für Barockreiter und ihre Rassen aus. Hier können sie sich nach FN Richtlinien vor FN Richtern behaupten und unter Beweis stellen, wie talentiert sie in der Dressur sind.
Ins Leben gerufen von den beiden Gestüten „Casa Estanque“ und „Caballos de la Luz“ führt
seit 2015 Franziska Weyer und ihr Mann George Weyer die Serie alleine aus. Von ihrem Gestüt Casa Estanque aus planen und organisieren sie alles von der Ausschreibung bis zur Durchführung dazu gehört auch die Technik. Stehen immer wieder gerne bei Fragen der Teilnehmer bei Seite ob telefonisch, über E-Mail oder persönlich direkt auf dem Turnier.

Egal ob Friesen, PRE, Lusitanos, Barockpintos, Knabstrupper, Frederiksborger, Warlander all die Barocken Rassen können sich von einer A bis hin zur S zeigen was sie in einer Dressurprüfung alles können. Dabei sind oft die Pferde nicht nur hübsch „dekoriert“ In Landestracht, Barockem Zaum sowie schönen Schabracken nein auch ihre Reiter dürfen sich in Barockentracht zeigen. Was viel mehr Farbe in dieses Turnier herein bringt wie bei einem üblichen Dressur Turnier mit Warmblüter in dem alle ihre schönen schwarz, weißen Turnierkleidung tragen und alle doch irgendwie gleich aussehen. Somit bietet es für den einen oder anderen auch eine schöne Abwechslung zu den alltäglichen Turnieren. Man ist unter gleichgesinnten, Freunden der Barockenrassen.
Jedes mal aufs neue sieht man wie die Zuschauer über die hübschen Outfits der Reiter staunen bevor sie dann aufs Pferd schauen. Erleben wie die Erde bebt wenn der beeindruckende Friese auf die Richter zu galoppiert und auf den Punk vor dem Richterpult hält oder der Spanier sein unglaubliches Gangvermögen zeigt in der Kür auf „we will rock you“

Die Besten der Besten der M und S zeigen sich alle zwei Jahre auf der großen Equitana in Essen. Nehmen dort an dem großen Finale bei. Auf Turniere zuvor konnten sich die Reiter für dieses Finale qualifizieren. Mindestens drei Prüfungen werden im Jahr zuvor ausgerichtet davon eins bei der kleinen Schwester der Equitana, der Equitana Open Air. Dort „sammeln“ die Reiter ihre Punkte.
Jeweils die drei besten Reiter zeigen sich dann auf dem Königs Barock Cup auf der Equitana. Ein unvergessliches Erlebnis sein Pferd in diesem großen Ring einem großen Publikum vorstellen zu dürfen. Zu einer selbst zusammen gestellten Kür hat man die stärken der Pferde heraus geholt und dies mit passender Musik was schon manch einem Zuschauer Gänsehaut bereitet hat. FN Richter die meist vor allem Warmblüter bewerten sind jedes mal aufs neue beeindruckt von diesen tollen Pferden, ihrem Gangvermögen, dem Vertrauen zu den Reitern und wie hübsch sie und ihre Reiter aussehen in landesüblicher Tracht oder barocken Kostümen.

Dieses Wochenende war es wieder so weit am Barockpferdetag der Equitana zeigten sich jeweils drei Reiter in der M sowie drei in der S. Die Richter Dr. Britta Schöffmann und Dr. Jan-Holger Holtschmit richteten alle sechs Reiter. Dabei hat Dr. Britta Schöffmann zu jedem Reiter ihre Bewertung erzählt, was die Stärken waren und wo man vielleicht noch ein wenig arbeiten muss was für die Reiter sehr verständlich war. Vor allem auch manchen Zuschauer zu gute kam um zu erfahren was möchte man den nun sehen bei so einer Kür oder was nicht. Dabei waren die Bewertungen immer gerecht und nachvollziehbar. Als Fotografin die schon die unterschiedlichste Prüfungen fotografierte muss ich wirklich sagen das Frau Schöffmann eine tolle Richterin ist die man sich bei vielen Turnieren sich wünschen würde die den Reitern auch mit ihren Bewertungen eine kleine Hilfe gibt. Nicht nur schaue ich mit ein Turnier durch den Sucher meiner Kamera an, unwillkürlich bekommen die Ohren auch immer die Kommentare der Zuschauer mit und auf meinem Sitzplatz zu meiner Rechten, Linken und hinter meinem Rücken hörte man das wohl ich nicht alleine war mit meiner Meinung. „Das ist aber eine gute und nette Richterin“. Dies sollte doch auch mal erwähnt werden wie oft erlebt man es ganz anders auf Turnieren? Das man die Bewertungen nicht versteht?

Der eine oder andere Zuschauer war wirklich beeindruckt und gab zu, dass sie nicht geglaubt hätten das manch ein Barockpferd solch ein Bewegungspotential mit sich bringt. Wer weiß die Copa Baroque Turniere haben manch ein „Zweifler“ schon gezeigt das sich auch unter dem einen oder anderen Barocken eine Sportkanone steckt.

Der Friesenhengst Wirdmer fan’e Boppelannen der mit seinen Besitzern und Reiter Ralph Buchberger extra aus Österreich kam, hatten sie sich für den „Königs Cup“ qualifiziert, trägt sogar das Zusatzprädikat SPORT in seinem Namen. Dies vergibt der niederländische Friesenverband an Friesen mit außerordentlichen Ergebnissen im Sport. In der S zeigte der Hengst mit seinem Reiter in Barocken Kostüm eine ordentliche Leistung.


Doch Gewinner mit einer ganz tollen Kür die einem Gänsehaut bereitete gewann eine „Sport“ Friesin. Angelika Brück auf ihrer außergewöhnliche Ster – Sport Stute Roaske fan de Kromme Jelte. Ihren Titel konnte sie somit behaupten gewann sie schon vor zwei Jahren.

Es schien der Tag des Friesen zu sein, den auch in der M gewann eine schwarze Perle. Der Friese Sky mit seiner Reiterin Alisa Mausbach. Ebenso ein ganz tolles Dreamteam das ich bei schon bei manch einem Barockturnier bewundert durfte.

Nun sind alle Karten wieder neu gemischt die Copa Baroque planen die nächsten Turniere und man kann gespannt sein welche Reiter ihre Pferde vorstellen werden. Werden die ersten Warlander aus Deutschland sich in einem Turnier zeigen das sie das beste des Friesen und Spaniers vereinen können? Werden neue Reiterpaare alles noch mal neu mischen und man sieht in zwei Jahren auf der Equitana ganz andere Paare?